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ErziehungszielElite?    

Werte wahren, Zukunft gestalten – nach diesen Prinzipien werden junge Menschen in Louisenlund zu engagierten Mitgliedern der Gesellschaft, einer Bildungs-Elite, erzogen. Der ehemalige Präsident der ‚Studienstiftung des deutschen Volkes’ Wolfgang Frühwald, definiert Elite in unserem Sinne als Ausbildung von Persönlichkeiten.

„Eliten sind durch sichtbar herausgehobene Positionen Norm prägend, wirken als Vorbilder für die Erhaltung oder die Veränderung gesellschaftlicher, politischer und kultureller Strukturen. Wer heute Vorbild sein will, muss als ganze Person normieren und stimulieren.“  

Selbständig zu sein und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, ist heute, gerade für unsere Kinder, die doch oft entweder zu behütet oder zu sehr sich selbst überlassen werden, eines der zentralen Postulate in unserer Schule ‚Stiftung Louisenlund’. Denn Selbständigkeit, die den selbstkritischen und den prüfenden Blick aushält, lässt unsere Kinder wachsen.

Ein weiteres zentrales Attribut in diesem Zusammenhang ist Bescheidenheit. Erziehung zur Bildungs-Elite sollte nicht, wie oftmals vermutet, von Dünkeln geprägt sein, sondern aus Verantwortungsbewusstsein erwachsen. Führen in einer Demokratie kann nur derjenige, dem diese Position von anderen auch zugebilligt wird. Ein Vorbild muss vorausgehen, aber nicht so, dass niemand an ihm vorbeikommt.

Die ‚Stiftung Louisenlund’ rückt den Schüler mit seinen individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten in den Mittelpunkt. Eine Persönlichkeit, die es in puncto Kompetenz, Engagement und Verantwortung zu fördern gilt. An die Stelle eines gleichschrittigen Vorwärtskommens von Klassen treten bei uns individualisierter Unterricht, die Förderung des Einzelnen, Lernverträge und Lernpläne. „Werde der Du bist!“ oder besser „Sei der Du wirst!“ meint genau diese Erfahrung angehender und immer wieder erprobter Selbständigkeit. Jeder Schüler wird innerhalb und außerhalb des Unterrichts provoziert, mit – wie es in der Bibel steht – seinen Talenten zu wuchern.

Wichtig dabei ist, dass wir es hier nicht mit einem verkürzten Leistungsverständnis zu tun haben. Vielmehr haben wir in Louisenlund ein Umfeld geschaffen, in dem Leistung nicht ausschließlich gefordert wird, sondern mindestens ebenso sehr Lernen und Leistung nach eigenem Antrieb ermöglicht werden. Leistungsvermögen ist mehr als die getestete Begabung plus intelligenten Wissens: Aus einem ganzheitlichen Selbstkonzept erwächst ein Selbstbewusstsein, das Lernbereitschaft, Risikobereitschaft, Selbstdisziplin sowie eine Konzentration auf das Hier und Jetzt ermöglicht.

Erst in einer Ganztagsschule, deren ‚Krönung’ ja das Internat ist, können Schüler entsprechend ihrer Begabungen gefördert werden. Lernen ist nicht auf die ‚Stoffaufnahme’ im Unterricht begrenzt. Wechselseitiges Lernen wird wieder möglich. Wenn der Unterricht es nicht möglich machen kann, sich selber auszuprobieren, kennenzulernen, herauszufordern, dann kann das ja außerhalb des Unterrichts geschehen. Um sich dann gestärkter und selbstbewusster den akademischen Herausforderungen zu stellen. Dieser Zusammenhang wird oft übersehen; doch nur wer sich hat, kann Risiken eingehen...!

Und auch im Unterricht gibt es besondere Möglichkeiten. Lese-Rechtschreibschwäche oder ADHS auf der einen oder die im Falle von Unterforderung zu einer Bürde werdende Hochbegabung auf der anderen Seite: sie beide können in einem Ganztagskonzept sinnstiftend Berücksichtigung finden. Darüber hinaus können wir als Internat weitere Gelegenheiten bieten, die die Abendgestaltung im Sinne unseres pädagogischen Konzeptes miteinbeziehen.

Begabungen zu fördern, setzt vor allem voraus, dass man miteinander im Gespräch ist, dass man voneinander etwas wissen will – kurz: man setzt sich mit dem Gegenüber auseinander und schätzt sein Gegenüber! Eng damit verbunden ist die Annahme: „Ich traue Dir etwas zu und bin sicher, Du wirst Dein Bestes geben!“ Dieses Vertrauen lässt unseren Kindern Flügel wachsen. Gepaart mit dem interessierten und wertschätzenden Pädagogen ist es dann auch möglich, zu „wahren“ Bildungs-Eliten zu erziehen.

Kompetenz, Engagement und Verantwortung. Gerade diese Fähigkeiten dürften die zentralen in der Wissensgesellschaft sein! Der Begabtenförderung geht es um Leistungsvermögen jenseits des schulischen Drills. Es geht um die Wahrnehmung Herausforderung und Förderung von Potentialen, die sich in einen tatsächlichen Erfolg umwandeln lassen.

Kreativität, Begabung und Wissen kommen nur mit den Anforderungen der Wissensgesellschaft zusammen, wenn sie mit Mut, positivem Denken und Selbstbewusstsein, verschmolzen sind.

So kann ein Selbstkonzept in Form einer kritischen Überzeugung von sich selbst entstehen, der so etwas wie der Glauben an eine Bestimmung eingeschrieben ist. Letzteres stammt von Joe Renzulli, einem amerikanischen Pädagogen, der die Begabtenförderung revolutionierte. Sein Motto: „The tide rises all ships!“

 

Prof. Dr. Werner Esser

Leiter der ‚Stiftung Louisenlund’