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Leben und Wirken

Kurt (Martin) Hahn,
geboren in Berlin 5.6.1886,
gestorben in Salem 14.12.1974

Kurt Hahn, einer der großen Innovatoren des Erziehungs-
wesens, war zu Beginn seiner Laufbahn Vertrauter und politischer Berater des letzten kaiserlichen Reichskanzlers Prinz Max von Baden. Gemeinsam mit ihm gründete er 1920 eine gemischte Internatsschule im baden-württembergischen Salem, in der er seine reformpädagogischen Ideen in die Tat umsetzte. Sie haben die Zielsetzung, junge Menschen zum Handeln aus persönlicher Verantwortung, Güte und Gerechtig-
keit anzuleiten. Sie sollen durchsetzen und realisieren, „was sie als richtig erkennen, trotz Mühen und Gefahren, trotz innerer Skepsis, Langeweile oder dem Spott der Welt, trotz der jeweiligen Gefühlslage” und so auf verantwortungsvolle Führungspositionen und den Dienst an der Demokratie vorbereitet werden.

Bereits im Jahre 1929 formulierte Hahn eine Reihe von Leitsätzen, die sieben Salemer Gesetze:

  • Gebt den Kindern Gelegenheit, sich selbst zu entdecken.
  • Lasst die Kinder Triumph und Niederlage erleben.
  • Gebt den Kindern Gelegenheit zur Selbsthingabe an die gemeinsame Sache.
  • Sorgt für Zeiten der Stille.
  • Übt die Phantasie.
  • Lasst Wettkämpfe eine wichtige, aber keine vorherrschende Rolle spielen.
  • Erlöst die Söhne und Töchter reicher und mächtiger Eltern von dem entnervenden Gefühl der Privilegiertheit.

Salem florierte; die dort gelehrten Ideale gerieten jedoch zwangsläufig mit dem Geist des aufkommenden National-
sozialismus aneinander. 1932 schickte Kurt Hahn ein Schreiben an die Altschüler: „Hitler führte eine Krise herbei, die weit über alle Politik hinausgeht. Deutschland steht im Begriff, seine christliche Kultur, seinen guten Ruf und die Ehre seiner Soldaten zu verlieren. Salem kann nicht neutral bleiben. Ich fordere alle in der SA oder der SS aktiven Mitglieder der Altsalemer Vereinigung auf, entweder mit Salem – oder mit Hitler zu brechen”. Dies war, so ein in Salem unterrichtender Brite, die „mutigste und kaltblütigste Tat, die ich je gesehen habe”.

Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 stand Hahn auf der Liste. Im März desselben Jahres wurde er inhaftiert. Die Nachricht verbreitete sich schnell und erreichte Groß-
britannien, wo sich seine Freunde für ihn einsetzten. Es gelang Hahn, nach England zu fliehen.

Auch wenn er nahezu mittellos nach Großbritannien kam, war er bald in der Lage, seine pädagogischen Tätigkeiten weiter-
zuführen.  Bereits ein Jahr später, im April 1934, öffnete die schottische Gordonstoun School unter seiner Leitung ihre Pforten. 1949 half Kurt Hahn bei der Gründung der Stiftung Louisenlund. In der Nachkriegszeit entstand aus seinen Ideen auch das Konzept der United World Colleges, einer Gruppe von internationalen Schulen, in denen junge Menschen aus verschiedenen Ländern gemeinsam leben, lernen und an sozialen Aktivitäten teilnehmen. Schulen auf der ganzen Welt orientieren sich mittlerweile an Kurt Hahns Konzepten und haben sich im Round Square Movement zusammengeschlossen.

Kurt Hahn starb im Jahre 1974. Die Londoner Times schrieb, dass „niemand in unseren Tagen mehr innovative Ideen und Vorstellungen im Bereich des Erziehungswesens entwickelt und gleichzeitig die Gabe besessen hat, diese auch in die Tat umzusetzen“. Salem, Gordonstoun, Louisenlund und Bewegungen wie Round Square sind lebendige Einrichtungen, die das Vermächtnis der Hahnschen Vision weitertragen.