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Abschlussfeier in Louisenlund

Stiftungsleiter Dr. Peter Rösner hatte die erfreulichste Botschaft gleich zu Beginn. „Ihr habt alle das Abitur bestanden, und der Notendurchschnitt liegt bei 1,89." Zwei Zehntel besser als im Vorjahr. Der beste Abiturschnitt, den Louisenlund je hatte. Sechs Absolventen schlossen mit einer Eins vor dem Komma ab. Johanna erhielt ihr Zeugnis mit der Note 1,0.

Peter Rösner ordnete das Ergebnis ein: nicht als Glücksfall, sondern als Beleg für drei Jahre konsequenter pädagogischer Arbeit. Louisenlund setze auf personalisierte Bildung, die den Einzelnen zum Akteur seiner eigenen Lernbiografie mache. Noten aber seien nur ein Teil des Bildes. „Louisenlund war das Gewächshaus, in dem Ihr wachsen konntet, und die Garage, in der Ihr vieles ausprobiert habt."

Die Schule habe bewusst keine einfachen Antworten geliefert. „Was habt Ihr mit uns gehadert manchmal, weil wir Euch nicht die Kochrezepte gegeben haben, wie genau das geht, dass am Ende die 1 herauskommt." Das sei Absicht gewesen. Wer Fehler machen dürfe, lerne, mit Komplexität umzugehen, mit Unsicherheit, mit offenen Fragen.

Es war ihr erster Jahrgang als Stufenkoordinatorin. Michelle Häuser begleitete den E-Jahrgang von Anfang an. Und dieser Anfang war ungewöhnlich. Sechs Schüler im Sommer 2023, mitten im Übergang von G8 zu G9, ohne klare Zugehörigkeit. Die Gruppe wuchs, schrumpfte, wuchs wieder. Zwei Fahrten sollten zusammenbringen, was sich nicht von selbst fand: eine Waldhütte in den Hüttener Bergen, später ein Sommerhaus auf Rømø.

Dieser Jahrgang sei eine Ansammlung starker Einzelpersönlichkeiten gewesen, sagte Häuser. Mit eigenen Meinungen, eigenem Tempo. Manche hätten lieber den Weg durchs Fenster gesucht als durch die Tür. Das habe sie geschätzt. „Ihr habt Dinge hinterfragt. Ihr habt Eure Meinung gesagt. Ihr habt diskutiert. Ihr habt Euch nicht einfach mit Antworten zufriedengegeben, nur weil jemand vorne im Raum stand."

Was sie selbst gelernt habe, sei weniger Mathematik gewesen. Es sei um Vertrauen gegangen, um Verantwortung, um das, was gute Begleitung bedeutet. „Manchmal einfach da zu sein. Zuzuhören. Fragen zu stellen."

Am Ende der Rede erhielt jeder Abiturient ein Bild des Sternenhimmels über Louisenlund, aufgenommen zum genauen Zeitpunkt der Zeugnisübergabe. Dieser Himmel existiere nur einmal: hier, heute, in diesem Moment. So wie auch diese gemeinsame Zeit.

Lukas Schäfer und Katrin Jessen sprachen für die Eltern. Heute müsse niemand mehr fragen, wie es in der Schule läuft. Die Antwort sei ohnehin immer dieselbe gewesen. „Gut." Ein Wort, das alles bedeuten konnte. Dieser Jahrgang sei klein gewesen, räumten sie ein. Entstanden im Übergang von G8 zu G9. Was daraus geworden sei: „Jeder hat sich eingebracht, und aus einzelnen Schülerinnen und Schülern wurde am Ende eine Gemeinschaft."

Den Lehrerinnen und Lehrern, Hauseltern, Stufenleiterin Häuser und Mentorin Linda Hagebölling sprachen die Elternvertreter ausdrücklichen Dank aus. Sie hätten etwas geleistet, das oft unterschätzt werde: „Sie haben junge Menschen nicht nur auf Prüfungen vorbereitet, sondern auf das Leben."

Auch die Eltern hätten in diesen Jahren etwas gelernt. Man bringe Kindern jahrelang Selbstständigkeit bei und vermisse sie, sobald diese tatsächlich selbstständig seien. Auf einem Internat lerne man das früher und intensiver. „Man lernt loszulassen, man lernt zu vertrauen, und man lernt, dass ein Anruf manchmal zwei Minuten dauert und manchmal zwei Stunden." Ihren Wunsch an die Abiturienten formulierten Schäfer und Jessen klar: Erfolg nicht nur über Noten, Titel oder Positionen definieren. Den eigenen Weg gehen, nicht den, den andere vorgesehen hätten. „Lasst den Lärm der vielen Meinungen nie Eure eigene innere Stimme übertönen."

Für die Abiturienten war der Abschlussjahrgang 2025/26 auch ein ganz besonderer. Um gut vorbereitet in die Zukunft zu starten, hätten sie wichtige Kompetenzen mitbringen müssen, betonten Felicitas Lux und Marlon Pflüger. Da ist zum Beispiel das Self-Management, das ihnen geholfen hat, sich im „trubeligen“ Internatsleben zu organisieren. Kreativität sei wichtig gewesen, um sich Verhandlungstechniken zum Hinausschieben von Abgabefristen auszudenken und um passende Ausreden parat zu haben. Die Fähigkeit, Probleme zu lösen seien außerdem ebenso entscheidend, wie ein hervorragendes Kommunikationstalent.  „Alle Schülerinnen und Schüler sind starke Persönlichkeiten“, so Marlon, jeder kenne jeden, das sorge auch für viel Gesprächsbedarf. Ob Louisenlund sie auf die Zukunft gut vorbereitet hätte? „Absolut“ lautete sein eindeutiges Fazit. Die Zeit am Steg, Abende im „Oscar’s“ und Exkursionen hätten die Gruppe zusammengeschweißt, sagt Felicitas.